Grüsse zum Jahr 2017

Wir wünschen euch ein gutes Jahr 2017 und vor allem Gesundheit.

Wir begrüßen die neue Leserin Frau B. aus L., die in Wirklichkeit genauso heißt. Ihr ist es zu verdanken, dass ich mich endlich hingesetzt habe und diesen überfälligen Text erstellt habe. Es ist der dritte Versuch den Text zu Papier zu bringen. Es gibt zwei Hürden … zunächst haben wir seit 4 Monaten nichts geschrieben und zum anderen haben wir wirklich viel Neues erlebt. Na und chronische Faulheit kommt auch noch dazu – plus Silvester-Sekt.

Mit Kolumbien und Panama haben wir zum ersten Mal fremdes Terrain betreten, welches noch nicht von TUI und Co. erschlossen ist. Keiner sagt mehr “ kenn ich – war ich schon „.

Der Übersicht halber ist alles in kurze Abschnitte geteilt: (hoffe jetzt stimmt endlich alles)

  1. Anfang September – 330 sm Fahrt von Santa Marta, Kolumbien, nach Panama und Einklarieren in Porto Bello (das ist der Goldraub-Hafen der Spanier gewesen). Heute noch leben hier zu 90% Menschen, die ehemals aus dem Kongo verschleppt, einfach „übrig geblieben“ sind nach der Goldparty (tolle Nummer)… Wenn man sich Panama von See nähert, erheben sich die Bergzüge, die den Atlantik vom Pazifik trennen. Es gibt in den Bergen ein paar Punkte, von denen man beide Ozeane zugleich sehen kann. Wir mussten an den verzweifelten Gold- und Pfeffersucher Christopf Kolumbus denken, der hier vor gut 500 Jahren auf seiner 4ten und letzten Reise entlang gefahren ist und erschöpft den Weg nach Indien gesucht hat. Unterwegs besuchen uns immer wieder Vögel z.B. ein GOLDkopfkarakara.. Nicht alle starten wieder durch, wie man Tage später erduften kann….
  1. Mitte September – Sohn Nummer 3 zieht für 2 Wochen mit seiner (sehr netten ist zu wenig gesagt) Freundin bei uns ein. Ja man glaubt es nicht, wie soll das gehen, so ein kleines Böötchen und 4 Leute, aaaber es geht, es geht sogar sehr gut. Das hat aber auch mit an unseren smarten Gästen gelegen und an der tollen Catering Firma „Crewline Ltd“, die 3mal täglich leckeres Essen per Drohne angeliefert hat. Also 50 sm Fahrt in das „San Blas“ Archipel, das laut Umfrage zu den drei Top Location gehört, die man als Segler auf diesem Planeten besuchen kann, sagt Bobby Cornell. Die Fotos von San Blas sind leider immer noch bei der Entwicklung …
  1. Ende September – Zurück von San Blas nach Panama Festland … und erstmal Hotelurlaub in Panama City  – eine schlechte Kopie von Singapur, aber mit dem Urwald drum herum sieht es schon ganz gut aus. Hier enden alle Straßen, der Traum von Frau Merkel, im Ruhestand mal per Jeep von Alaska nach Feuerland zu fahren, bleibt ein Traum. Es fehlen 120 km Straße durch den für Jeeps undurchdringlichen Urwald und niemand will sie bauen. Dafür wurde in dieser Sackgasse die größte Shopping Mall mit 700 Läden gebaut, die man in der ganzen westlichen Welt kennt.
  1. Mitte Oktober – schöne Fahrt mit dem Boot von ganz lieben Freunden 2 Tage durch den Panama Kanal (womit meine Crew alle 4 grossen meeresverbindenden Kanäle der Erde per Schiff durchfahren hat … Panama-, Suez-, Korinth- und Kiel-Kanal) Fotos und Film sind auch noch in der Entwicklung… (bzw ich weiß nicht mehr wie hochladen).
  1. Ende Oktober – Besuch des „Kolumbus Wrack Vizcaína“ in der Bucht von „Nombre de Dios“ – für mich eine große Sache, weil ich schon vor 12 Jahren das spannende Spiegel Buch – „Die letzte Reise. Der Fall Christoph Columbus“ verschlungen hatte. Er hat den Erdumfang sehr knapp berechnet und sich um xx.xxx KM verschätzt, obwohl der richtige Wert schon mehrere hundert Jahre bekannt war und ihm in Salamanca bei einer Anhörung entgegen gehalten wurde. Aber den Weg von Sevilla bis nach Nombre de Dios haben wir nun abgesegelt.
  1. Anfang November –  dann ging es wieder 330 sm mit der Jasina zurück nach Cartagena und Santa Marta, Kolumbien, wo wir bis April auf günstige Winde für die 4.000 sm lange Fahrt über den Pazifik zu den Marquesas Inseln abwarten. — (sehr kleine Boote dürfen nur bei ruhigem Wetter auf den Pazifik Herr „Bobby Cornell“.. das steht in den „Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean (BSH)“ Leider sind die 12 Karten je einen Quadratmeter groß und lassen sich nicht so einfach neben ihre Ratgeberbücher stellen … ist halt Berufsschifffahrt) nebenbei fragen wir seit 5 Monaten jeden, der schon mal im Pazifik war: „Wann er denn meint, dass es eine gute Zeit ist für die lange Überfahrt.“ Captain Hans Klaar und Captain Louis (er hat das schon 3mal gemacht) sagen – genau wie die 1 Quadratmeter großen BSH Karten, APRIL – MAI. Eine Leserin (Elke H. aus De) hatte genau hiernach gefragt, deshalb die Abschweifung —-  Warum wir Panama verlassen haben? Wo Panama schön ist, gibt es keine Versorgung und umgekehrt! … Kolumbien wirbt mit dem Slogan: – „Das einzige Risiko besteht darin, dass Sie nicht mehr nach Hause wollen“ Die Gefahr besteht in Panama überhaupt nicht. Unsere Segel-Freunde haben sich dann auch gleich spontan hier ein Apartment in Santa Marta gekauft… chic chic. Hier nun ein Video von der Heiligabend-Feier in der Marina Bar

und ein Rundschwenk durch den schönen Hafen. Nachdem wir fast zwei Jahre nur als Selbstversorger vor Anker gelegen haben, ist dieses hier ein Schlaraffenland. Strom, Wasser, Wifi und eine Klimaanlage an Bord, 150 m bis zum ersten Supermarkt …. toll… wir brauchen das Boot nicht abschließen, wenn wir in die Stadt gehen .. Wachen mit MGs sind rund um die Uhr vor dem Tor. Die Marina hat ca. 25 Angestellte und jedes Motorboot hat 2 bis 3 Putzmänner, die von morgens bis abends putzen. Am Wochenende kommen die Eigner mit einem Schwarm junger Frauen und fahren für 3 Stunden raus zum Beach. Also wird streifenfrei so mal eben 90 m2 Bordwand oder 10 m2 Glasflächen poliert — dabei wird ordentlich Musik aus den Bordlautsprechern gepustet … eine nette Gesellschaft.

 

danke Tuddy Lee für die Videos … unser lieber Brücken Nachbar … genau gesagt unser Finger Nachbar … näher geht es nicht und dann noch eine Tayana 37.

zum Schluss noch ein Filmchen vom Bug der Jasina… 😉

 

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Santa Marta – versteckte Perle

1462396740204Will man von den ABC Inseln nach Panama so bietet sich ein Stop in Kolumbien an. Kolumbien hat dank Friedensverhandlungen mit den Rebellengruppen und enger Zusammenarbeit mit den Amerikanern im Kampf gegen Drogenschmuggel an Stabilität und Wohlstand gewonnen.

Die meisten Segler stoppen dann in Carthagena mit seiner schönen Altstadt. Aber es gibt noch eine andere, unserer Meinung nach bessere Alternative: Santa Marta.

Man liegt hier in der Marina sicher und absolut ruhig, nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt. Santa Marta ist übrigens die älteste Stadt ganz Amerikas. Leider ist davon nicht mehr so viel zu sehen. Nachts kühlt es dank des 5500 m hohen Gebirges mehr ab als in Carthagena. Die Einklarierung ist wesentlich einfacher und preiswerter. In Kolumbien ist ein Einklarieren nur mit Agenten möglich.  Die Marina hier in Santa Marta übernimmt seine Kosten, so dass nur die offiziellen Gebühren anfallen. Für uns waren das ca. 85 US-Dollar. Die Formalitäten waren unkompliziert. Wir haben der Marina unsere Pässe und Kopien unserer Bootspapiere überlassen und erhielten am gleichen Nachmittag unsere Papiere zurück und waren einklariert. Es gibt auch die Möglichkeit nur für 3 Tage zu bleiben.   Dann muss man nicht einklarieren, muss danach aber dieses wunderschöne Land wieder verlassen. Es gibt günstige Wochen und Monatstarife für die Liegegebühren. Wir zahlen für 32 ft für 1 Woche US-$ 134 Liegegeld. Die Marina ist bestens bewacht und es gibt gute SB-Waschmaschinen in der Marina, gutsortierte Supermärkte wenige 100 m entfernt und eine vielfältige, bunte Gastronomie, von lokal bis zur preiswerten Sushi-Bar ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ach ja, auch nicht ganz unwichtig: freies Wifi 🙂

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Bonaire

gehört als östlichste Insel mit Aruba und Curacao zu den ABC-Inseln oder auch Niederländischen Antillen  und liegt direkt vor der Küste Südamerikas.

Die Landschaft könnte als Kulisse für Italo-Western dienen: Kakteen, niedriges Gestrüpp, Salzlagunen und zu große Leguane. Eine Insel also, mit der spätestens nach Abschaffung der Sklaverei kein Geld mehr zu verdienen war. Die Spanier nannten die ABC-Inseln bei ihrer Entdeckung islas inútiles (die unnützen Inseln). Ihre Kargkeit ist heute ihr Profit. Da die Insel sehr flach ist, ziehen die Passatwolken meist über sie hinweg, ohne abzuregnen. Keine Flüsse schwemmen Sedimente ins Meer. Das Sonnenlicht dringt bis 30 m tief ins Wasser und gibt den Blick frei auf eine artenreiche Unterwasserwelt. Die gesamte Insel wird umsäumt von einem Riff. Der Tauchtourist muss nur mit seinem Mietauto um die Insel fahren. Überall wo gelbe Steinmarkierungen aufgestellt sind, gibt es gute Zugänge zum Riff direkt vom Strand aus. Ein Boot benötigt er nicht.

Bonaire müsste eigentlich Bon Diving heißen.

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Die Zähne des Haies

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Death in Paradise (c) BBC

Der Mensch neigt dazu, nach Bestätigung für seine Weltsicht zu suchen. Das gilt erst recht für Segler, die letztendlich in den letzten Monaten nicht allzuviel gerissen haben. Statt auf Kuba, Florida, Jamaika oder den Bahamas zu kreuzen, liegen wir mal wieder seit über 8 Wochen in einem Nest, das niemand kennt. Der Name ist unaussprechbar und kann sich nur über eine Eselsbrücke gemerkt werden. Der Genitiv von „der Hai“ heißt (Wortlaut) Deshaies. Aber so einfach ist es nicht, so wird’s nicht gesprochen. Der Name heißt „De Eh“ im Sprachgebrauch. Was immer das ist.

DSCN0066Normalerweise wäre man hier vorbei gesegelt oder hätte einen Stop für eine Nacht gemacht. Aber als leidenschaftliche Bootsstalker haben wir Deshaies schon früh entdeckt. Mit der kleinen Software Findship können wir nicht nur sehen, wo sich bestimmte Schiffe aufhalten, sondern auch, wo sie in den letzten 30 Tagen gewesen sind. Und so fiel uns eine große schöne Jacht auf, die genau in dieser Ecke erstaunlich lange liegengeblieben ist. Also haben wir gesagt, wenn wir dort vorbeikommen, schauen wir uns das mal genauer an. Nun sind wir, wie gesagt, 8 Wochen hier und wir wollen einmal kurz darüber berichten. Deshaies liegt auf der Insel Guadeloupe, die wie ein Schmetterling ihre Flügel im Ozean ausbreitet. Der rechte Flügel ist flaches Land und nur bis zu 150 m hochgedrückter Meeresboden. Der linke Flügel besteht aus dem höchsten Vulkangebirgszug der Antillen mit bis zu 1.500 m Höhe. Guadeloupe ist der nördlichste Teil vom Regenwald, der südlich des Amazonas beginnend sich hochzieht bis über die kleinen Antillen. Auf der Nachbarinsel Antigua gibt es keinen Regenwald mehr. Dort ist die Vegetation karger. Die Berge sind nicht hoch genug, um die Wolken zum Abregnen zu bringen und die Landschaft sieht ein bisschen so aus, wie die Ziegeninseln Griechenlands. Erst als wir das sahen, merkten wir, wie wir uns mit dem satten Grün und der üppigen Vegetation als Hintergrund unserer Segelkulisse angefreundet hatten.

Guadeloupe hat ähnlich wie Martinique rund 400.000 Einwohner. Das ist eine kritische Zahl im positiven Sinne, d.h. es gibt alles was das Herz begehrt, auch wenn man vielleicht etwas fahren muss, aber man bekommt alles bis zur berühmten „Bluetooth-Mouse“, die ich, glaube ich, schon erwähnt hatte. Wie stark man an solch speziellen Dingen hängt, merkt man erst, wenn der Zugriff nicht immer gegeben ist… da nützt es wenig, wenn am Horizont die Wale winken und die Kolibris einem um die Nase flattern … ist so.

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Unser Dinghi-Steg ohne Filmcrew

Jetzt aber zu Dehaies:
Eine kleine Bucht umsäumt mit 150 – 200 m steilen Bergen bedeckt mit tropischem Regenwald. In der Mitte liegt ein ca. 500 m langes Straßendorf mit einer kleinen süßen Kirche, einem Steg für die Dinghis (sehr wichtig für Vagabunden wie uns) und ein kleiner, gut geschützter Hafen, für die Tagesfischerei.

 

DSCN0054Um die Schildkröten zu schützen bzw. die Seegraswiesen gibt es hier 10 ausgesprochen beeindruckende Bojen, an denen man das Schiff direkt festmachen kann. Diese Bojen sind eine technische Spezialität. Über Wasser sieht man nur einen Schwimmer mit einem Metallring, an dem das Boot mit 2 Leinen befestigt wird. Unter Wasser geht aber eine armdicke Leine zu einem zweiten Schwimmer, der ca. 2 m über dem Boden schwimmt, damit die Leine nicht über dem Boden schleift. Von diesem Schwimmer, der im Wasser 2 m über dem Grund steht, geht die Leine weiter zu einem runden, sehr, sehr großen Betonstein, der so, wie es ausschaut, letztendlich einen hurrikansicheren Liegeplatz verspricht, denn bei Größe und diesem armdicken Tau wird sich auch bei Sturm und Orkan das Schiff nicht wegbewegen können.

Deshaies:
DSCN0061Dieses kleine Straßendorf muss man entdecken und findet dann neben einer Reihe von Bars und Restaurants 3 Einkaufsläden, Obststände und auch eine fahrbare Schlachterei, die mit einem schwarzen Fleischermeister sehr ordentlich und adrett zweimal wöchentlich auf dem Parkplatz steht. Das sieht nicht schlecht aus: dieser schwarze junge Mann mit der weißen Fleischeruniform und der leckeren Auslage. DSC_0595Aber nicht nur das, einmal alle 14 Tage steht auch ein Sattelzug auf dem Parkplatz, wo das rollende Kaufhaus Ojé Ojé seine Waren anbietet. In der Tür des Anhängers steht ein etwas knurriger Mann und reicht einem den Prospekt raus, in dem hunderte von netten, meist überflüssigen, preiswerten Haushaltsgegenständen zu sehen sind, die er einem dann auf Wunsch aus dem großen Stauraum des LKWs herausreicht. Daneben verkauft am Nachmittag eine Frau aus ihrem Koffenraum heraus selbstgemachtes Kokoseis, das sehr, sehr lecker schmeckt und manchmal ist auch ein Stand mit heißen Krapfen und ähnlichem zu sehen.

Aber die Attraktionen gehen noch weiter: rechts die Straße hoch auf dem Berg befindet sich ein großer wunderschöner Botanischer Garten, der von allen Punkten aus den Blick auf den blauen Ozean ermöglicht und gleichzeitig die ganze Pflanzenpracht der Tropen repräsentiert.

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Die kleine Kirche und das daneben liegende kleine Verwaltungshäuschen ist Hauptdrehpunkt einer Krimiserie, die zusammen von BBC und einem französischen Sender seit Jahren produziert wird mit dem schönen Namen „Death in Paradise“. Mittlerweile laufen bei ZDF neo auch deutsche Folgen. Vorgestern Nacht wurde wieder gedreht und von einem Scheinwerferwagen aus wurde das ganze Dorf, die Bucht, die Berge und die Schiffe so taghell erleuchtet, dass man zunächst seinen Augen nicht trauen konnte, wie so etwas möglich ist. Aber nach drei Tagen war der Spuk vorbei und die nächste Folge war im Kasten.

Zur linken Seite gibt es einen kleinen Friedhof, wie üblich am Berghang mit Blick aufs Meer und weißgetünchten Gräbern und hinter dem Friedhof führt ein sehr anspruchsvoller Wanderweg auf 200 m Höhe hoch, um dann auf der anderen Seite zu dem paradiesischen Strand „Grand Anse“ hinunterzuführen. 20160609_154407Dieser Strand erfüllt eigentlich alles, was man sich von einem Strand erträumen kann, wenn man an die Karibik denkt: feinster Sand ohne Ausnahme, keine Hotels, nur Natur, ein paar kleine Krabben, die über den Sand laufen, in der Woche menschenleer, das Wasser kristallklar und badewasserwarm. Es gibt auch kleine Autovermietung und ganz wichtig, eine Buslinie, die in die Hauptstadt fährt. Wir sind mehrfach mit dem Bus gefahren und haben immer viel Spaß gehabt, denn diese Gelassenheit der Inselbewohner ist schon eine Show für sich. Wie sie ganz gemütlich durchs Leben schaukeln und letztendlich da wohnen und leben, wo andere Menschen teuer Urlaub machen.

Eine versteckte Besonderheit befindet sich über der Kirchturmspitze. Dort steigen die Berge 500 m hoch und genau über dieser Kirchturmspitze ist die Einflugschneise zu dem einzigen großen Flughafen der Insel: Pointe-à-Pitre. In der Nacht des 22.07.1962 steuerte eine Boing 707 von Paris kommend durch Gewitterwolken hindurch den Flughafen an. Das Flugzeug flog zu niedrig und zerschellte 100 m unter dem Berggipfel im Regenwald. Das war damals einer der ersten, ganz großen Unfälle der zivilen Luftfahrt. Die Boing 707 war damals das größte zivile Verkehrsflugzeug seiner Zeit.

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Mittlerweile führt ein sehr schöner Weg dort hinauf flankiert von Orchideengärten. Schließlich erreicht man mitten im Regenwald eine kleine Gedenkstelle, die aber ganz plötzlich lebendig wird. Plötzlich erkennt man zwischen Blättern und Baumwurzeln Kabelbäume, Fensterrahmen und sonstige Teile des abgestürzten Flugzeugs. Schaut man sich ein wenig um, kann man in den Baumwipfeln noch Teile des Flugzeugs sehen und tief in der Erde stecken die blanken Triebwerke aus Edelstahl und Titan. Alles ist eigentümlich gut erhalten, teilweise sieht es aus wie neu. Sogar die Turbinenschaufeln sind ganz geblieben. Einige Hydraulikschellen aus Edelstahl sind genauso blank wie vor 56 Jahren, als sich das Flugzeug hier in die Erde bohrte. Selbst Gepäckstücke meint man noch zu sehen und allerlei Inventar eines so großen Flugzeugs.  Hier starben innerhalb eines Augenblicks 113 Menschen. Aber das Leben geht weiter. Große Bäume umschlossen Trümmerteile, die sich in ihren Stamm gebohrt hatten und wuchsen weiter. Alles blüht, summt und wächst. Aber da die Trümmer nicht beseitigt wurden, bleibt auch der Tod dieser Menschen immer gegenwärtig. Sehr nachdenklich und berührt wanderten wir den schönen Weg wieder hinunter.

DSCN0207Das Wetter ist das ganze Jahr über sommerlich schön, nicht zu heiß, selbst jetzt im Sommer nicht über 33 Grad, alle 2 Tage gibt es mal einen Regenschauer und das Leben ist einfach schön. Es wird Französisch gesprochen, aber auch Englisch wird hier und da verstanden. Die Bucht ist geschützt und die Boje ist kostenfrei. Was natürlich für Internetjunkies wie uns nicht ganz unwichtig ist: es gibt einen blitzschnellen, kostenlosen WLAN Anschluss, der in einer der Bars hier steht und uns Datentransferraten besser als zuhause in Hamburg beschert. D.h. wir können quasi neben dem normalen Internetgeschäft an Bord live fernsehen gucken und vermissen an sich gar nichts. Um das Schiff herum schwimmen Schildkröten, Pelikane, Fregattvögel, Bonitos, Schildkröten, Tintenfische u.s.w. Und man fragt sich, warum man hier jemals wieder wegfährt. Aber andere Länder sollen auch schöne Inseln haben, heißt es. Gerade haben wir von den Marquesas gelesen, wo unsere Freunde von der „Fajo“ angekommen sind und nun ist es auch für uns Zeit weiter zu fahren.

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Abschied von den kleinen Antillen

Was haben wir mit der Zeit gemacht? Auf dem Smartphone läuft die kleine App FindShip, die uns stetig anzeigt, wo sich die viele Jachten, die wir in den letzten 4 Jahren getroffen haben, heute aufhalten. Drei Boote, die wir auf den Kanarischen Inseln getroffen hatten, sind schon längst im Pazifik unterwegs und haben große Strecken zurückgelegt. Wir aber sind ungefähr immer noch dort, wo wir vor fast eineinhalb Jahren in der Karibik angekommen sind.

Rundreise2Wenn man die Segler in Kategorien einteilen will, dann ist da einmal die Gruppe der Hängenbleiber und das Gegenteil davon die Gruppe der Eiligen. So wie die Japaner Europa in 7 Tagen besuchen, segeln auch manche Boote durch die Karibik und laufen dabei nur einige touristische Hotspots an. Wir gehören weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe. Mit 8 bis 12 Wochen pro Ankerplatz kommt man natürlich in einem Jahr nicht sehr weit, aber man erspürt ein wenig von dem Lebensgefühl, was die Menschen vor Ort prägt.

Spätestens wenn man zum ersten Mal wiedererkannt oder gar von Ladenbesitzern persönlich begrüßt wird, ist man nicht mehr der eilige Tourist auf der Durchreise, sondern gehört im weitesten Sinne zumindest für die Händler und Gewerbetreibenden dazu. Schöne Einblicke in Land und Leute bekommt man auch bei längeren Busfahrten über die Inseln.

Wir sind nun den Kleinen Antillenbogen von Union Island im Süden bis St. Martin im Norden rauf und runtergesegelt. Dabei konnten wir den Menschen von bettelarm bis superreich beim Leben zuschauen. Auf Dominica beobachteten wir, wie ein Mann ein aus Holzpaletten gebautes Floß zum Fischen in der offenen See benutzte und auf St. Barth liegen die größten Jachten der  Superreichen dicht an dicht nebeneinander.

Auf Dominica wird noch nach Vermissten der letzten Hurrikankatastrophe gegraben, während zur gleichen Zeit auf Guadeloupe der 93 Mio Euro teure Museumsbau eingeweiht wird.

Ganz ohne große Gegensätze kommt das Wetter aus. Von morgens bis abends, Tag und Nacht, das ganze Jahr über weht gleichmäßig der freundliche Passatwind, der früher den Kaufleuten dieses Seegebiet so angenehm machte und heute zigtausenden von Wassersportlern eine schöne Urlaubszeit bereitet.

DSC_0488Selbst die Ostsee vor Travemünde bietet spannenderes Wetter, als man es hier erleben kann. Einziger Wermutstropfen sind die Hurrikane, die zwar selten über die Inseln hinwegziehen, aber dennoch eine gewisse Alarmbereitschaft einfordern.

Hurrikansaison heißt aber auch weniger Touristen und leere Ankerbuchten. Der Touristenstrom verzieht sich nach Europa und die Einheimischen sind entspannter und freundlicher. Das Wasser ist noch ein wenig wärmer. Die Inseln werden noch grüner, denn es regnet wieder mehr.

Im Grunde kann man es sich einfach machen und die kleinen Antillen in Links- oder Rechtsverkehr aufteilen. Wo rechts gefahren wird, ist die Bevölkerung zufriedener und es geschehen weniger Verbrechen. Wo links gefahren wird, ist die Verbrechensquote höher und die Bevölkerung ärmer.

Wir haben uns in die Inseln mit Rechtsverkehr verliebt mit Ausnahme von Dominica vielleicht. Unsere Lieblingsinsel heißt St. Martiloupe mit Deshaies als Lieblingsankerplatz.

 

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Augen auf beim Kettenkauf

Neben dem Thema, welcher Anker?, gibt es auch noch die Frage, wie viel Kette soll es sein. Aus Sicht der Kettenhersteller kann sie natürlich gar nicht lang genug sein. Aus Sicht der Händler, die von den Herstellern die Ketten in 100 m Längen bekommen, ist ein Skipper, der 100 m bestellt, der ideale Kunde. Denn nun müssen sie weder ausmessen, abschneiden, noch verbleiben unverkäufliche Reststücke. Der zweitbeste Kunde kauft die 50 m. Einmal ausmessen, einmal schneiden und hoffen, dass der nächste Kunde die zweiten 50 Meter kauft. Ganz unbeliebt sind die Kettenkäufer, die sich an die Empfehlungen eines deutschen Seglerpapst halten: „mehr als 70 Meter braucht kein Segler“. Denn die restlichen 30 Meter sind nur schwer an den Mann zu bringen.

Nun ergab sich auch für uns die Frage, wieviel Kette wir demnächst spazieren fahren wollen und das Ausfragen von anderen (Welt-)Umseglern ergab dann die Lösung. Elli von der SY Elbe antwortete mit überzeugender Spontanität: „Wir hatten 50 m, aber 60 m wären schöner gewesen.“ Also entschieden wir uns, obwohl uns bisher 40 Meter vollkommen gereicht hatten, mit Blick auf die zukünftigen Reviere für 60 Meter Kette. Zusammen mit einer vorgesteckten Trosse dürfte es dann auch für 20 m Ankertiefe ausreichen.

Nun ist es aber so, dass wir an keinem Schiffsausrüster vorbeigehen können, ohne sein Angebot einer genauen Prüfung zu unterziehen. Hier in Pointe-à-Pitre (Guadeloupe) befindet sich ein UShip, der erste seit langer Zeit und er hatte die Ankerkette auf Lager, von der wir träumten: 60 m in der Stärke 8 mm und „made in France“ zu einem für die Karibik akzeptablen Preis.

Na, da kann ja nichts schiefgehen, dachten wir uns. Das lieferte uns auch noch einen zusätzlichen Grund für ein paar Tage in die Marina zu gehen, um den Kettentausch vorzunehmen. Auch wenn es mal wieder herrlich war, unbegrenzt mit Wasser zu planschen und wir außerdem Dietmar von der Cesarina kennenlernten, überwogen doch für uns die Nachteile des Marinalebens.

Kette 60mMit der neuen Kette an Bord fuhren wir nach 3 Tagen erleichtert auf den Ankerplatz direkt vor der Marina. Beim Ankerwerfen fiel Matthias jedoch nach 36 Metern ein kapitaler Schweißfehler an einem Kettenglied auf. Sehr ärgerlich – aber was für ein Glück, dass es uns gleich aufgefallen ist. Also wieder zurück in den Hafen, 90 kg Kette von Bord und 90 kg neu an Bord, nicht ohne zuvor alle 2.500 Kettenglieder einzeln in Augenschein genommen zu haben. Manchmal findet eben die Qualitätssicherung erst beim Kunden statt.

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Nun liegen wir in der Bucht von Deshaies, der Absprunghafen für das nur 40 sm entfernte Antigua. Heute weht der Wind mit bis zu 45 kn von den Bergen herunter und so gibt es einiges um uns herum zu sehen. Hier kommen 5 Dinge zusammen: voll belegte Bucht, starker Wind mit Fallböen, relativ große Ankertiefen mit schlecht haltendem Ankergrund.

Begonnen hat das Spektakel heute Nacht um 2 Uhr, als bei einer Jacht vor uns der Anker splippte und sie dann direkt auf uns rauf trieb, ohne dass jemand an Bord es bemerkte. Das sind so die schönen Momente, in denen man sich freut, sein elektrisches Horn mal sinnvoll einzusetzen, was auch sofort verstanden wurde. Nach einer spannenden Viertelstunde war die Gefahr gebannt und wir blieben noch einige Zeit im Cockpit sitzen, weil es eine so schöne Nacht war. Der Katamaran hinter uns hatte wohl ähnliche Gefühle und entschied sich, schon mal ohne die Besatzung zu wecken, aufs offene Meer hinauszutreiben. Nach 50 Meter Slippen ging aber anscheinend ein Ankeralarm los, denn die Besatzung sprang an Deck und verließ Hals über Kopf die Bucht. Den ganzen Tag über wehte es kräftig von den Bergen herunter und so konnten wir unser beliebtes Ankerratespiel genüsslich fortsetzen. Welches Schiff slippt als nächstes, welchen Anker hat sie und wieviel Kette hatte sie gesteckt?

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Eine größere Amel lieferte uns ein Drama in mehreren Akten. Immer wieder versuchte das Eignerpaar zunehmend verzweifelt mit ihrem verbogenen Bügelanker Halt zu finden. Die Dame auf dem Vordeck lastete die vielen vergeblichen Versuche direkt dem Skipper an, der in seinem geschützten Steuerhaus saß und sich auch die gesamte Zeit nicht daraus hinauswagte. Der Anker geriet immer wieder ins Rutschen, sobald das Schiff weit nach Bb oder Stb schwoite. Die rettende Idee war das Besansegel zu setzen, um den Schwoiwinkel und damit den Zug auf die Kette zu mindern.

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Danach kam zum dritten Mal die Jacht der vergangenen Nacht an uns vorbeigetrieben. Bis jetzt hatten wir den Anker noch nicht identifizieren können. Aber nun war klar zu sehen, es handelte sich um einen Brake-Anker. Ein Ankertyp, der für sein schnelles Eingraben gelobt wird, aber anscheinend danach keine Haltekräfte entwickelt. Nach dem vierten Ankerversuch verschwanden sie am Horizont. Ob sie sich wohl einen neuen Anker kaufen wollen?

Unser aktuelles Überwachungsobjekt ist eine Sun Odyssee, die bereits stolze 100 m gerutscht ist und innerhalb der nächsten Stunde auf ihren Hintermann treffen sollte.

Etwas Kopfschmerzen bereitet uns zur Zeit ein großer Catamaran, Outremer 49, der sich trotz reichlich Platz direkt vor unseren Bug gelegt hat. Hoffentlich hält sein Spadeanker so gut, wie die Werbung verspricht. Letztendlich ist es aber schlechte Seemannschaft, sich ohne Not mit so einer windanfälligen Brotkiste direkt vor ein kleineres Boot zu legen.

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Bootsparade

Auf und ab geht es den Antillenbogen entlang und in den geschützten Buchten trifft man sich immer wieder. „There is Atlantic and Caribbean Sea“ belehrt uns Nina in ihrer kleinen Holzhüttenbar am Zollanleger bei einem kalten Kulibuli Bier. Der Atlantik rollt von Osten heran und bringt mit dem Passat den Regen und gesegelt wird meist auf der Leeseite der Inseln.

Wie auf einer Perlenschnur reiht sich Insel an Insel und es gibt nur zwei Richtungen: rauf in den Norden oder runter in den Süden.
Die Perle Dominica hat nur eine gut geschützte Bucht. Will man an Dominica nicht vorbeisegeln, macht man Halt in der Prince Rupert Bay – also eigentlich Prinz Ruprecht Bucht – übrigens ein echter Weltenbürger. Wer Interesse an Geschichte hat, kann hier weiterlesen: Ruprecht von der Pfalz – Duke of Cumberland

So geben sich hier fast täglich interessante Schiffe ein Stelldichein:

Da ist z.B. die Germania Nova (gebaut 2011)

DSC_1491Ein Nachbau der Germania von 1908, der ersten Krupp Jacht und die erste in Deutschland gebaute Megajacht. Das Original liegt ca. 1200 Meilen von hier entfernt in flachem Wasser auf dem Meeresgrund vor Florida und dient heutzutage als Sehenswürdigkeit für Taucher.

 

dann kam die Nahlin

DSC_1517 (800x474)die Privatjacht von Sir Dyson (ja der mit dem tütenlosen Staubsauger), die vor kurzem erst in Rendsburg für 60 Mill. Euro restauriert wurde.

 

Besonders gefreut haben wir uns über das Wiedersehen mit der Ti’Amaraa unserer Freunde Bernard und Sandra, die wir schon früher auf unserem Blog ausgiebig beschrieben haben: Kaffeekränzchen in Haus Nr. 39

Und gestern traf die gute, alte Tayana hier ein, Reginas früheres Boot, mit dem sie mit Mann und Maus bis in den Jemen gesegelt ist. Heute heißt sie Cookelu meu und ist gerade mit der ARC über den Atlantik gesegelt.
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Wer wohl noch alles hier vorbei kommt?

 

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